Die Töne der sechs Saiten
Die Saiten werden von der dünnsten (1) bis zur dicksten (6) gezählt. Wenn du die Gitarre hältst, ist die 6. Saite oben, deinem Gesicht am nächsten.
- 6. Saite: tiefes E
- 5. Saite: A
- 4. Saite: D
- 3. Saite: G
- 2. Saite: H (englisch B)
- 1. Saite: hohes E, zwei Oktaven über der 6.
Die alte Eselsbrücke für die Reihenfolge: „Eine Alte Dame Geht Heute Einkaufen“. Die beiden E-Saiten heißen gleich, klingen aber verschieden hoch. Ein Stimmgerät zeigt das oft mit einer Zahl an: E2 für die tiefe, E4 für die hohe E-Saite.
Mit Stimmgerät, Schritt für Schritt
- Such dir eine ruhige Ecke. Das Mikro eines Stimmgeräts oder Handys hört alles mit: Fernseher, Gespräche, andere Instrumente.
- Fang mit der 6. Saite an. Zupf sie einmal deutlich, aber ohne zu schlagen, und lass sie klingen.
- Lies die angezeigte Note ab. Zeigt das Stimmgerät etwas anderes als E, bist du weit weg: Dreh langsam an der Mechanik, bis E erscheint.
- Stimm fein nach. Zu tief: Saite spannen. Zu hoch: Saite entspannen. Hör auf, wenn die Nadel in der Mitte steht.
- Mach mit der nächsten Saite weiter, bis zur 1.
- Geh alles noch einmal durch. Jede gespannte Saite zieht am Hals und verändert die anderen ein wenig. Ein zweiter Durchgang ist fast immer nötig.
Ein Trick aus der Gitarrenbauwerkstatt: Stimm immer von unten an den Ton heran. Bist du drüber, geh etwas darunter und dann wieder hoch. So hält die Saite die Stimmung besser, weil das Spiel in der Mechanik in die richtige Richtung aufgenommen wird.
Das Stimmgerät von Fredon zeigt die Kopfplatte deines Instruments: Die Saite, die du spielst, leuchtet auf, und die App sagt dir, ob du spannen oder entspannen musst. Praktisch, solange du noch nicht weißt, welche Mechanik zu welcher Saite gehört.
Und was heißt „440 Hz“?
Das ist die Frequenz des Kammertons A, auf die fast alle Stimmgeräte und fast alle Aufnahmen eingestellt sind. Bleib dabei, außer du spielst mit einem Instrument, das anders gestimmt ist (manche Orchester und Klaviere stehen auf 442 Hz). Dann stellst du den Kammerton deines Stimmgeräts auf denselben Wert.
Nach Gehör: die Methode mit dem 5. Bund
Ohne Stimmgerät kannst du die Gitarre mit sich selbst stimmen. Das Prinzip: Auf den meisten Saiten klingt der 5. Bund genauso wie die nächste Leersaite.
- Die 6. Saite ist deine Referenz. Stimm sie, wenn möglich, nach einem verlässlichen Ton (Klavier, Stimmgabel, andere Gitarre).
- Spiel die 6. Saite im 5. Bund: Das ist ein A. Stimm die leere 5. Saite auf diesen Ton.
- Spiel die 5. Saite im 5. Bund: Das ist ein D. Stimm die leere 4. Saite.
- Spiel die 4. Saite im 5. Bund: Das ist ein G. Stimm die leere 3. Saite.
- Ausnahme: Spiel die 3. Saite im 4. Bund: Das ist ein H. Stimm die leere 2. Saite.
- Spiel die 2. Saite im 5. Bund: Das ist ein E. Stimm die leere 1. Saite.
Woran hörst du, dass zwei Töne gleich sind? Lass sie zusammen klingen. Solange sie leicht voneinander abweichen, hörst du eine Schwebung, ein gleichmäßiges „Wa-wa-wa“. Je langsamer sie wird, desto näher bist du dran. Verschwindet sie, stimmt es.
Hast du nur eine einzige Referenz, nimm ein A: Die 1. Saite im 5. Bund ergibt das A mit 440 Hz einer klassischen Stimmgabel.
Die Methode hat einen Haken: Jeder kleine Fehler addiert sich zum nächsten. Prüf zum Schluss, ob die 1. und die 6. Saite, leer zusammen gespielt, sauber wie zwei E klingen, ohne Schwebung.
Mit einem Akkord gegenprüfen
Spiel ein E-Dur, dann ein D und ein C. Klingt einer schief und die anderen nicht, such die schuldige Saite einzeln. Eine Gitarre kann Saite für Saite stimmen und im Akkord trotzdem leicht schief klingen, wenn die Saiten alt sind: Dann ist ein neuer Satz fällig.
Gängige Stimmungen
Die Standardstimmung ist nicht die einzige. Diese hier begegnen dir am häufigsten, von der 6. zur 1. Saite:
- Standard: E A D G H E (englisch E A D G B E).
- Einen Halbton tiefer: Es As Des Ges B Es. Alle Saiten gehen einen Halbton runter. Sehr verbreitet im Rock und bei Sängern, die ihre Stimme schonen wollen.
- Drop D: D A D G H E. Nur die 6. Saite geht einen Ganzton runter, von E auf D. Zum Stimmen vergleichst du sie mit der leeren 4. Saite: Beide müssen eine Oktave auseinander klingen.
- DADGAD: D A D G A D. Die 6., 2. und 1. Saite gehen einen Ganzton runter. Der Sound der keltischen Musik und vieler akustischer Folk-Stücke.
- Open G: D G D G H D. Die 6., 5. und 1. Saite gehen einen Ganzton runter. Leer gespielt ergibt die Gitarre einen G-Dur-Akkord. Ideal für Slide und Blues.
- Open D: D A D Fis A D. Die 6., 2. und 1. Saite gehen einen Ganzton runter, die 3. einen Halbton. Leer gespielt ist das ein D-Dur-Akkord.
Mit der Stimmung ändern sich die Griffe. Der Guide alternative Gitarrenstimmungen zeigt die Grundgriffe für jede. Fredon beherrscht sie alle: Wähl die Stimmung in der App, Stimmgerät und Griffe ziehen mit.
Fehler, die immer wieder passieren
- Die falsche Mechanik drehen. Der Klassiker. Folg der Saite vom Sattel bis zu ihrer Mechanik, bevor du drehst, und zupf die Saite beim Drehen an, damit du hörst, wie sich der Ton bewegt.
- Eine Oktave zu hoch stimmen. Das Stimmgerät zeigt den richtigen Notennamen, aber die Saite ist viel zu straff und reißt irgendwann. Fühlt sich eine Saite sehr hart an, vergleich sie mit den anderen.
- Zu hart anschlagen. Eine hart angeschlagene Saite klingt am Anfang etwas höher. Zupf normal und lies das Stimmgerät erst ab, wenn der Ton ruhig steht.
- Neue Saiten unterschätzen. Sie dehnen sich noch mehrere Tage lang. Stimm oft nach und zieh jede Saite nach dem Aufziehen sanft nach oben, damit sie sich schneller setzt.
- Mit aufgesetztem Kapo stimmen. Stimm zuerst ohne, setz dann den Kapo und prüf nach: Er kann einzelne Saiten etwas nach oben ziehen. Siehe Guide Kapodaster.
- Ein falsch eingestelltes Stimmgerät. Bass-Modus, Ukulele-Modus, Kammerton auf 432 Hz: Prüf die Einstellungen, wenn alles verschoben wirkt.
Häufige Fragen
Wie oft muss ich stimmen?
Jedes Mal, wenn du die Gitarre in die Hand nimmst. Das dauert eine Minute und macht einen riesigen Unterschied, gerade für Anfänger, deren Gehör sich an das gewöhnt, was es hört.
Warum verstimmt sich meine Gitarre ständig?
Neue Saiten, Temperatur- oder Feuchtigkeitswechsel, ausgeleierte Mechaniken oder schlecht aufgewickelte Saiten. Wechselt die Gitarre den Raum, gib ihr ein paar Minuten zum Akklimatisieren, bevor du stimmst.
Und dann?
Wenn die Gitarre stimmt, geht es weiter mit den 8 Akkorden für Anfänger.